Willkommen auf der Website des Internationalen Gregorianik-Festivals von Watou (Belgien),

nächste Ausgabe vom 05. bis 13. Mai 2018

 

Bericht: Internationales Gregorianik- Festival Watou 2015

 

“Ein tsunami an Klangkunst und eine berauschende sakrale Sphäre”

 

Vom 8. bis zum 17. Mai 2015 fand der zwölfte Durchgang vom Internationalen Gregorianischen Festival von Watou statt, eine der wichtigsten Bühnen für gregorianische Chöre auf der ganzen Welt. Dieses Festival ist darüber hinaus Begegnungsort für mehrere tausende an Zuhörern, die sich für diese besonders hochstehende Form reiner Musikalität begeistern, oder für jene, die mit der Gregorianik auf Tuchfühlung gehen möchten.

Auch dieser Durchgang vermochte allen Erwartungen zu entsprechen. Wenn man diejenigen, die das Festival bereits mehrere Male besuchten, zu Wort kommen lässt, wurde dieser zwölfte Durchgang den meistens anspruchsvollen Erwartungen sehr gerecht.

Von Festival zu Festival steigerte sich sowohl die Qualität der Musikprogramme als auch die der Ausführenden.

Das Festivalprogramm bot 24 verschiedene Aktivitäten, mittels derer sich die 29 teilnehmenden Ensembles in einer ausgeglichenen Zusammenstellung von Auditionen, Konzerten sowie liturgischen Feiern präsentierten.

Auch in geographischer Hinsicht hatte sich das Festival mit Programmen in neun Partnerstädten weiter ausgebreitet: Dunkerque (Frankreich), Poperinge, Koksijde, Antwerpen, Brüssel, Boëseghem (Französisch-Flanderen), Wervik, Haringe und Lessen. Dadurch konnten von neuem mehrere tausend Menschen erreicht werden. Für die 24 Sessionen des Festivals selbst mit ihren Auditionen, Konzerten und der Liturgie darf man mit ungefähr 10.000 gebuchten Plätzen rechnen. Weil sich hier die systematische Herangehensweise an und die Liebe für diesen Musikstil verbinden, darf Watou sich als das wichtigste Gregorianik-Festival auf der Welt bezeichnen.

Junge und professionelle ensembles tragen das Festival

Durch die Teilnahme von 29 sorgfältig ausgesuchten Chören aus 17 Ländern und zwei Kontinenten wies das Festival von neuem eine sehr vortreffliche Qualität, verbunden mit großer Originalität und einer starken internationalen Ausstrahlung auf.

Was aber besonders auffiel, war die besonders junge und vitale Besetzung der Chöre. Neben fünf Kinderchören variierte das Alter der Ausführenden zwischen 18 und 35 Jahren.

Viele dieser Chöre arbeiten professionell oder rekrutieren sich aus Musikschulen und Konservatorien.

Die Zuhörer wurden bei jeder Aufführung ergriffen gleichsam wie von einem Tsunami an Musikalität, perfektem Textvortrag, flüssigen Phrasierungen, homogenem Chorklang und atemberaubenden Interpretationen, die schließlich von authentischer Gregorianik sprechen lassen. Das Festival hat seine einzigartige Bedeutung in der Musiklandschaft von neuem bestätigen können.

 

Grosse Resonanz auf das VorProramm

 

Die stimmigen und qualitativ hochstehenden Konzerte der Vorprogramme in Dünenkirchen, Koksijde, Wervik, Antwerpen und Brüssel - mit Chören aus Belgien, Spanien, Deutschland, die überall gelobten Damen von "Graces & Voices" und die besonders ausdrucksstarke “Schola Cantorum Riga” - waren eine solide Vorhut und machten Appetit auf mehr.

Zwei Konzerte des Vorprogramms waren thematisch gebunden: Das in Koksijde mit einem Verweis auf Orgelkompositionen aus der Schule von Flor Peeters und dasjenige in Antwerpen mit einem Bezug zur Rubens-Ausstellung in der Kathedrale.

Bald danach, zwischen dem 13. und 17. Mai, schlugen viele Zuhörer voller Erwartung für das Hauptprogramm des Festivals ihre Zelte auf im Herzen von Westhoek (Watou). Sie wurden nicht enttäuscht.

 

Repertoire vom 5. bis 21. Jahrhundert

Das Hauptprogramm des Festivals bestand aus vier Auditionen in Watou.

Wie viele Chöre, so viele Stile in den vier Auditionen des Festivals.

Da kam Rührung auf beim Zuhören, aber auch Bewunderung, als die Allerjüngsten, die Knabenchöre aus Spanien und Estland und die Pueri Cantores von Daegu mit sauberen Kinderstimmen scheinbar mühelos alles auswendig sangen.

Da galten Gediegenheit und Tradition bei den italienischen und spanischen Chören - Assisi, Vatikan und Schola Antiqua.

Die Ausführung durch den Damenchor aus Japan verriet eine Einstudierung mit Ernst und Herzblut. Die Schola Gregoriana Pragensis und Vox Clamantis aus Tallinn rammten Pflöcke ein.

Vokale Virtuosität und ein elegantes Dirigat beeindruckten ein andächtig lauschendes Publikum bei der Tschechischen Tiburtina, dem Ensemble Clamaverunt Iusti aus Warschau, der Norwegenschen  Schola Sanctae Sunnivae und den Frauen aus Paris.

Die flämische Damenschola aus Drongen schlug sich wacker bei ihren besinnlichen Lobgesängen dank einer tiefsinnigen, strengen, aber auch liebevollen Vorbereitung durch den Dirigenten Frans Mariam.

Die inhaltliche Ausgestaltung der vier Hauptauditionen war Herrn Prof. Dr. Franz K. Prassl anvertraut, der zahlreiche Kompositionen aus den verschiedensten Blütezeiten des Repertoires kohärent und schlüssig zum Leuchten brachte.

 

Neben der Gregorianik wurde während des Vorprogramms und in Abendkonzerten zugleich Musik dargeboten, die sich an Gregorianik anlehnt oder in ihr wurzelt.

Weniger bekanntes Repertoire, öfters auch aus lokalen Traditionen, wurde während dreier Konzerte vorgestellt. Zwei Frauenchöre, Tiburtina und Psallentes, ehrten vier weibliche Heiligengestalten mit spannenden Gesängen, gelegentlich auch in einer überraschenden früh-polyphonen Ausführung. Wir konnten sowohl eine sehr umtriebige Herangehensweise der Tschechinnen als auch im Kontrast eine straffere Vorgehensweise durch die flämische Schola genießen; beide Gruppen jedoch präsentierten sich dem Publikum mit kundigen und treffsicheren Stimmen.

De St.-Martins-Kirche in Haringe beherbergt eine sehr bekannte Orgel von Van Peteghem. Diese wurde von den Organisatoren dankbar ins Programm eingebunden. Die Frauen der Gruppe Vocale Armoniosoincanto sangen die Missa Henry du Mont alternatim mit Orgelfragmenten, gespielt durch Adriano Falcioni. Ferner konnten wir zuhören den Ordensschwestern von Verbum Domini aus der Slowakei, der Schola Antiqua aus Madrid und Vox Clamantis, welche Eindruck machte mit dem Komponisten Arvo Pärt aus ihrer Heimat.

 

Am Abend danach erntete Vox Clamantis noch mehr Erfolg mit ihrem Griff in das sehr reiche, auch mehrstimmige Oeuvre von estischen und norwegischen Komponisten. Während dieses letzten Konzertes wurden wir durch Tiburtina und die Schola Gregoriana Pragensis mit einer Premiere eines Programms über Karl IV. von Böhmen und die damalige, bedeutungsvolle kulturelle Achse zwischen Paris und Prag konfrontiert. In 2016 jährt es sich zum 700. Mal, dass dieser Fürst geboren wurde, und wir sollten es dann also gewusst haben.

Wir wurden verblüfft durch prächtige Gregorianik und frühe Polyphonie aus böhmischer und französischer Tradition in den verschiedensten Stilen, sogar durch einige Lieder in böhmischer Sprache.

An dieser Stelle soll auch das musikalische Intermezzo, das drei Kinderchöre im Pfarrsaal als Dank an die Gemeinde Watou am Nachmittag des Himmelfahrtstages darboten, lobend erwähnt sein.

 

Liturgie

 

Gregorianik ist in der Liturgie beheimatet, und das haben wir in Watou nie vergessen. Wer wollte, konnte einem Monastischen Mahl beiwohnen, verbunden mit einem vollständigen Durchgang durch das Stundengebet vor Christi Himmelfahrt, dargeboten durch eine Auswahl der anwesenden Chöre.
Das Psallieren bildet das Rückgrat des Offiziums, und hier verdient Ferenc Sapszon mit seiner großen Gruppe von Jungen und Mädchen von Cantate et Iubilate ein großes Lob: das Psalmensingen ist ihre zweite Natur; es ist so passend, so gleichmäßig, so sauber, effizient, meditativ und ruhig abgelaufen, dass man mit ihnen in höhere Sphären emporsteigt.

Die Ungarn sind inzwischen eine feste Größe auf unserem Festival, was vielleicht nicht mehr auffällt, sie formen jedoch das Fundament der liturgischen Feiern. Ihre „Ubi caritas“-Motette von

Maurice Duruflé während der Messfeier am Samstag war ausgezeichnet, ebenso ihre polyphonen Einlagen in der Schluss-Vesper. Um beim Vortrefflichen zu bleiben: Im feierlichen Hochamt am Sonntag konnte man eine Gänsehaut bekommen bei dem intimen "The Deer's Cry" von Arvo Pärt, gesungen von Vox Clamantis.

 

Workshop “Gregorianik dirigeren”

 

Ein Wort aufrichtigen Dankes an David Eben darf an dieser Stelle nicht fehlen. Wir bekamen durch die Schola Gregoriana Pragensis einen fesselnden Workshop dargeboten mit der Thematik, wie man Gregorianik dirigiert. Dabei waren viele Interessenten, die sich willig von einem immer charmanten und respektvollen David Eben coachen ließen, der schnell vom Englischen ins Deutsche oder Französische wechselte, um sich für jeden verständlich zu machen.

 

Eine Auszeichnung für das Festival durch „klassiek centraal“

 

Mit der Verleihung des ‚Goldenen Labels Festival‘ an das Internationale Gregorianische Festival von Watou betont Klassiek Centraal, das wichtigste Internetmagazin für klassische Musik in Flandern und den Niederlanden, nicht nur die Bedeutung, die dieses Festival für die Gregorianik an sich hat, sondern erkennt die hohe Qualität des Festivals als solche an. Man geht davon aus, dass es in der ganzen Welt einzigartig ist.

 

Grosses Engagement der Dorfgemeinscgaft von Watou

 

Ein Stützpfeiler bei der Organisation des Festivals ist der Einsatz von zahlreichen Freiwilligen. Das große Team der freiwilligen Helfer verdient unsere große Dankbarkeit und Wertschätzung für seinen Einsatz. Sie zeichnen verantwortlich für das Catering und die Küche für 450 Sänger, für das Austeilen der Programmhefte, für das Herrichten der Kirche, die Organisation der Unterkünfte, für den Transport zwischen Unterkünften und Aufführungsorten, für die technischen Dienste und vieles mehr.

Sie gehören zur Festivalfamilie und das Festival ist ihr Festival. Sie tragen davon beste Erinnerungen weiter, Erinnerungen in Freude und Dankbarkeit; Erinnerungen an eine Woche gemeinsamer harter Arbeit. Durch diesen freiwilligen Einsatz kann eine nicht zu übertreffende Atmosphäre der Gastfreundschaft geboten werden, wodurch soziale Kontakte und Austausch aufblühen, die dem Festival eine wirklich menschliche Dimension verleihen. Das Ergebnis ist ein wundersames Geschehen: Menschen aus der ganzen Welt, mit ihrem Herzen Watou anhangend, himmlische Gesänge, ergreifende Stille der Zuhörer, und eine Atmosphäre von Glück und Freundschaft bei den 150 Mitstreitern, kurzum, ein Stück Himmel auf Erden.

 

Das Musikprogramm des Festivals 2015 im Überblick

 

 

  • Repertoire aus dem Graduale Novum und dem tropierten Kyriale
  • nach Auswahl der Chöre: gregorianisches Repertoire und lokale Traditionen
  • Tiburtina Ensemble: “Flos inter Spinas”, die Legende der Hl. Catharina, Barbara und Margaretha in der Böhmischen Tradition
  • Psallentes ♀: ein Programm um die Hl. Walburga gemäß der Zutphens Handschrift
  • Armoniosoincanto : Messe pour les Couvents van François Couperin (Orgel/Chor)
  • Sanctae Sunnivae : Fingergull Programm aus Nidaros (Trondheim)
  • Vox Clamantis : Arvo Pärt
  • Schola Gregoriana Pragensis en Tiburtina Ensemble: Repertoire um die Gestalt Kaiser Karl IV., die Achse Prag-Paris
  • Cantabo : folkloristische Improvisationen auf Grundlage gregorianischer Melodien

Es wurden auch einige Programmteile des Vorprogramms thematisch gestaltet:

  • Koksijde: Gregorianik in der Schule von Flor Peeters
  • Antwerpen: Gregorianische Impressionen zur Ausstellung “Reunie van Quinten Metsijs tot Peter Paul Rubens”

Das folgende  festival findet statt vom 5 bis zum 13 mAi 2018